Eine Biografie

Eine sehr persönliche Biografie

24. Juli 1970

Am Freitag, dem 24.7.1970 wurden unter anderem der CDU-Politiker Christian von Stetten und die norwegische Sängerin Anja Garbarek geboren. Jennifer Lopez feierte bereits ihren 1. Geburtstag. Und Simon & Garfunkel standen mit ihrem Hit "El Condor Pasa (If I Could)" auf Platz 1 der deutschen Charts.

 

Aber heute geht es um keine Berühmtheit, obwohl viele von euch diesen Menschen kennen. Sie ist in den letzten Jahren für einige von euch eine Freundin geworden - für uns sogar eine sehr enge Freundin. In einem anderen Artikel haben wir einen Teil ihrer Kindheit schon mal kurz angerissen. Es geht heute um Cristina - und sie hat heute ebenfalls Geburtstag. 

 

Wahrscheinlich kann sich niemand von euch vorstellen, dass man, wenn man 1970 geboren wurde, noch ohne fließendes Wasser, ohne Strom und eine Zeit lang auch mit Hungersnot leben musste. Cristina hat das alles noch erlebt. Ihre Kindheit war nicht einfach. Von Kindesbeinen an musste sie im Haus helfen, auf dem Feld arbeiten, vor Sonnenaufgang aufstehen, um Wasser zu holen. Zeit zum Spielen gab es damals kaum für die Kinder. Sie ist mit 5 weiteren Geschwistern aufgewachsen.

Tot Gesagte leben länger

Wie in einem vorherigen Artikel schon mal erzählt, wohnte Cristina fast 2 Jahre in einer einfachen Hütte am Santa Mónica Strand, wo ihr Vater das Bauprojekt "Santa Mónica" betreute. Hier geschah es auch, dass die kleine Cristina einmal für tot erklärt wurde. Sie war bei Ebbe am Strand entlang von Santa Mónica Richtung Lacacão gelaufen. Langsam kam aber die Flut und das Wasser stieg an, so dass sie Angst hatte, wieder am Strand entlang zurück zu laufen und sie versteckte sich in einer der dort gebauten Hütten. Irgendwann wurde sie vermisst und die Suchenden sahen die Spuren ihrer kleinen Füße am Strand. Sie wurde immer wieder gerufen, aber sie hatte Angst aus ihrem Versteck zu kommen, denn das hätte richtig Schimpfe gegeben und auch ein bisschen was auf den Hintern. Nach langem Suchen gaben die Männer auf, und teilten Cristina's Mutter mit, dass das Meer das Kind genommen hat. Sicher kann sich jeder von euch vorstellen, wie eine Mutter sich fühlt, so eine Nachricht über ihr kleines Kind zu erhalten. Der Schock bei ihrer Mutter saß sehr lange sehr tief. Nach einigen Stunden des Versteckens kam Cristina natürlich endlich aus ihrem Versteck - sie hatte Hunger und Durst und das war schlimmer als die Angst vor ein paar Schlägen auf den Hintern. Natürlich war die Freude groß, aber auch der Ärger den sie bekam. Aber wie sagt man so schön: tot Gesagte leben länger. Hier auf Boa Vista sagt man sogar, dass man dann mindestens 100 Jahre alt wird.

Ihre Kindheit

Mit 7 Jahren kam Cristina in die Schule. Zu diesem Zeitpunkt wurde auf Boa Vista nur 4 Jahre unterrichtet. Für mehr Schuljahre musste man auf eine andere Insel. So kam es, dass sie mit 11 Jahren auf Fogo bei ihrer großen Schwester landete. Hier ging sie weitere 2 Jahre zur Schule. Mehr war auch auf Fogo nicht möglich. Mit 13 Jahren kam sie dann zurück nach Boa Vista und hat  wieder in der Familie mitgearbeitet. Die Familie lebte von dem, was sie selbst angebaut haben: vorwiegend Mais, verschiedene Bohnen, Honig-und Wassermelonen. Sie hatten einige Tiere: Hühner, Kühe, Ziegen - man versorgte sich also vorwiegend selbst. Ein Onkel war Fischer, mit ihm wurde Obst und Gemüse gegen Fisch getauscht. Ebenso ging man nach Sal Rei, um dort das eigene Obst und Gemüse z.B. gegen Reis zu tauschen. Damals waren Tauschgeschäfte hier noch üblich, denn kaum jemand verfügte über Bargeld.

 

Mit 15 hatte Cristina ihren ersten Freund. Über Sexualität wurde nicht gesprochen in der Familie - vor allem Cristinas Vater war sehr gläubig und hat sich auch sehr viel in der Kirche engagiert. Auch Cristina hat viel in der Kirchengemeinde unternommen. Und doch geschah es, das sie mit 16 schwanger wurde. Für ihre Familie war dies eine große Schande. Cristina durfte mit zunehmenden Bauch kaum auf die Straße, damit niemand sah, dass sie schwanger war. Bereits 3 Monate nach der Geburt ihrer Tochter ging Cristina dann auf die Insel Santo Antao zu einer anderen Schwester, um hier weitere 2 Jahre zur Schule zu gehen. Cristina's Tochter ist bei der Stiefmutter des Vaters aufgewachsen.

 

Nach dem Schulabschluß (sie hatte jetzt den Hauptschulabschluß) ging Cristina auf die Insel Santiago. Das war eigentlich ganz anders geplant: Cristina's Patentante lebte in Paris und hat ihr eine "Einladung" geschickt, nach Paris zu kommen, um dort zu leben. So eine Einladung war die einzige Möglichkeit damals um in ein europäisches Land zu gehen. Der "Einladende" muss die Garantie für die Versorgung u.s.w. übernehmen. Aber Cristina's ältere Schwester hat diese Einladung mit dem Einverständnis ihrer Mutter gefälscht - sie war die ältere und sollte das Vorrecht haben, als erstes nach Paris zu gehen. Als Cristina davon erfuhr, war sie natürlich sehr, sehr sauer. Also ging sie nach Santiago - sie wollte unbedingt weg von Boa Vista

Nach der Schulzeit

Mit 19 Jahren kam Cristina nun also nach Santiago, in eine kleine Ortschaft außerhalb von Praia und das erste Mal hatte sie einen Job, außerhalb des Haushalts ihrer Familie. Sie begann in einer Pension zu arbeiten und lernte hier auch ihre zukünftigen deutschen Gasteltern (Chrisa und Jan-Uwe) kennen. Sie wohnten zu der Zeit in dieser Pension, denn sie warteten auf die Fertigstellung ihres Hauses. Cristina war für verschiedene Arbeiten zuständig, unter anderem bereitete sie auch das Frühstück vor und gab sich dabei sehr viel Mühe beim Anrichten und dekorieren. Nebenbei ging sie abends noch zur Schule, um jetzt auch noch den Realschulabschluß zu bekommen. Die beiden Deutschen fanden das natürlich ganz toll: so ein fleißges Mädchen, dass sich so sehr bemüht und so kamen sie ins Gespräch - mit Händen und Füßen und ein paar Fetzen Französisch und Portugiesisch. Sie unterstützten Cristina dann auch bereits finanziell und bezahlten ihr die Schule. Jedes Unterrichtsfach in der Schule kostete 1.500 Escudos pro Monat und die beiden übernahmen diese Kosten.

Nach Fertigstellung ihres Hauses boten sie Cristina an, mit nach Praia zu kommen und besorgten ihr dort eine kleine Wohnung. Sie begann auch bei ihnen zu arbeiten, als eine Art Sekretärin - angelernt wurde sie von ihnen, denn so etwas wie Schreibmaschine schreiben oder eine Telefonanlage zu bedienen hatte Cristina natürlich nie gelernt. In der Zwischenzeit beendete sie auch die Schule und machte ihren Realschulabschluß. Inzwischen war sie 22 Jahre alt.

 

Cristina erinnert sich an eine Episode mit Christa und Jan-Uwe: sie hatten sie zum Mittagessen eingeladen. Um 12 Uhr sollte sie dort sein. Hmmmm, 12 Uhr? auf den Kapverden ist so ein frühes Mittagessen nicht üblich, hier findet das erst gegen 14 - 15 Uhr statt. Also dachte sie sich: no Stress und erschien um 14 Uhr. Ohje - was für ein Gezeter. Sie musste sich große Vorwürfe anhören und wurde aufgeklärt über Pünktlichkeit, Höflichkeit und Respekt. Dies dürften wohl auch die ersten deutschen Worte gewesen sein, die sie gelernt hat. Nie wieder kam sie zu spät zu den beiden. Ihr wurde sehr ausführlich erklärt, was deutsche Pünktlichkeit bedeutet. Und die beiden haben mit dem Essen tatsächlich gewartet, bis Cristina endlich da war. Zu diesem Zeitpunkt fand sie die "Deutschen" irgendwie ein merkwürdiges Volk.

Zukunft Deutschland?

Die beiden Deutschen wollten Cristina gern ermöglichen nach Deutschland zu gehen, um dort entweder zu studieren oder eine Ausbildung zu absolvieren. Es begann der Kampf um ein Visum.

Die einzige Möglichkeit war, wenn sie eine Stelle als Au-Pair-Mädchen bekommen würde. In diesem Fall würde ein 1-jähriges Visum ausgestellt werden. Durch gute Beziehungen wurde auch die passende Familie gefunden: eine wohlhabende Familie mit 3 Kindern, die in Braunschweig lebte. Nach vielen Schreiben und einer Menge "Vitamin B" erhielt Cristina letztendlich das Visum und so begann sie mit 23 Jahren ihre große Reise.

 

Zusammen mit ihren Gasteltern flog sie über Lissabon nach Amsterdam und von dort aus ging es weiter mit dem Zug vorerst nach Hannover, wo die beiden ihren Wohnsitz hatten.

 

Aber erstmal gibt es  noch eine lustige Anekdote zum Flughafen Amsterdam: wie auf jedem großen Flughafen gibt es dort natürlich Rolltreppen - etwas was Cristina bis dahin noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Und sie wollte dieses Ding auf keinen Fall betreten! Nach langem hin und her hatten Christa und Jan-Uwe sie aber überzeugt und sie schafften es, das  Cristina ihre Füße richtig auf der Rolltreppe platziert hat. Soweit so gut - aber irgendwann ist die Treppe ja auch zu Ende. Und so kam es wie es kommen musste. Anstatt den Schritt im richtigen Moment von der Treppe zu machen, landete Cristina mit ihrem ganzen Körper auf dem Fußboden. Sicherlich könnt ihr euch vorstellen, dass dies zu einiger Belustigung bei den Umherstehenden geführt hat - selbst Crista und Jan-Uwe mussten herzlich lachen. Nach diesem Erlebnis versuchte Cristina den Rolltreppen in ihrem Leben so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen. Bis heute noch müssen sie alle herzlich darüber lachen, wenn sie sich an diese Geschichte erinnern.

Braunschweig

Das nächste Abenteuer wartete dann schon: Zug fahren durch Holland und Amsterdam! So viel grün, so viele Autos, so viele schöne Häuser.

Dann durfte sich Cristina ein paar Tage noch in Hannover ausruhen, bevor es nach Braunschweig in ihr neues Leben ging. Sie hatte große Angst.

Zu dem Zeitpunkt sprach sie kaum Deutsch und sie wusste nicht, was sie erwartet. Aber sie hatte großes Glück: es war eine wirklich nette Familie mit drei Kindern. Nach ihrer Ankunft zeigten sie ihr das Haus, unter anderem natürlich auch die Küche, die sehr modern eingerichtet war. Selbstverständlich gab es auch einen Geschirrspüler, der in die Küchenfront integriert war - von außen waren also keinerlei Knöpfe oder Schalter zu sehen. Er sah aus, wie ein ganz normaler Schrank.

Nach dem Abendessen war Cristina dann sehr verwundert: die Familie räumte das SCHMUTZIGE Geschirr in einen der Schränke in der Küche! Unglaublich. Sie hatte gelernt, dreckiges Geschirr im Spülbecken abzuwaschen, es zu trocknen und dann natürlich SAUBER in den Schrank zu stellen.  Was für eine Unart war das hier? Als sich die Gelegenheit ergab, schlich Cristina in die Küche, nahm das dreckige Geschirr aus dem "Schrank", wusch es ab, trocknete es und sortierte es in die Schränke.

Am nächsten Morgen gab es eine Diskussion zwischen den beiden Eheleuten, die Cristina aufgrund der fehlenden Deutschkenntnisse natürlich nicht verstand. Erst später dann hat sie erfahren, worum es in dieser Diskussion ging: die Familie ist zwar sehr wohlhabend, aber auch sehr sparsam. Und so wunderte sich die Ehefrau, warum ihr Mann wegen dem bisschen Geschirr die Spülmaschine angestellt hatte ..... 

 

Einige Tage später dann war Cristina gerade wieder damit beschäftigt die Spülmaschine von innen zu reinigen. Sie konnte es einfach nicht verstehen, warum man so etwas tat? In dem sie das schmutzige Geschirr auch noch falsch herum in diesen "Schrank" stellten, wurde er ja auch noch jedes Mal richtig dreckig. An diesem Tag kam nun aber die Ehefrau gerade in diesem Moment nach Hause und wunderte sich, was Cristina denn dort tut? Sie erklärte ihr das mit Händen und Füßen und dem wenigen Deutsch, was sie bisher gelernt hatte. Sie würde einfach nicht verstehen, warum man das tut. So macht es doch viel mehr Arbeit.

Und dann wunderte sie sich über den Lachanfall, den die Frau darauf hin erlitt. Natürlich wurde Cristina nun endlich dieser Geschirrspüler erklärt und sie war völlig fasziniert davon. Die ersten Male, wenn die Maschine dann lief, lauchte sie sogar an der geschlossenen Maschine den merkwürdigen Geräuschen, die dort erzeugt wurden.

Auch diese Geschichte bringt alle Beteiligten heute noch zum Lachen bei der Erinnerung daran. Inzwischen weiß natürlich auch Cristina, was ein Geschirrspüler ist, aber damals war sie für sie genau so ein Rätsel wie diese verzwickte Rolltreppe.

 

Das nächste technische Wunderding: die Straßenbahnen in Braunschweig. Wie können diese Dinger fahren ohne Reifen? Einfach in diesen Schienen. Zu viele Autos waren in dieser Stadt - jedesmal wenn sie die mit den Kindern in der Stadt unterwegs war geriet sie in Panik das sie sterben müsste bei so vielen Autos.

Hannover

Das Jahr ging schnell vorbei und somit lief auch Cristina's Visum aus.

Christa und Jan-Uwe schrieben zusammen mit Cristina Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz und kümmerten sich darum, dass sie ein neues Visum bekommt. Gesetzlich hätte sie das Land nach Ablauf des ersten Visums  erstmal verlassen müssen und auf die Kapverden zurück kehren. Dies allerdings wäre eine sehr teure Reise gewesen, die sich Cristina nicht leisten konnte. Das Geld, welches sie als Au-Pair-Mädchen verdiente, schickte sie komplett an ihre Familie auf Boa Vista.

Cristina hatte ihre ersten Vorstellungsgespräche - allerdings endeten sie immer sehr schnell in einer Zwickmühle: als Ausländerin wurde sie natürlich als erstes gefragt, ob sie eine Aufenthaltsgenehmigung hat, was sie verneinen musste. Das Verzwickte daran: sie bekommt keinen Ausbildungsplatz ohne Aufenthaltsgenehmigung - aber sie bekommt auch keine Aufenthaltsgenehmigung ohne Ausbildungsplatz - deutsche Bürokratie kann manchmal sehr unlogisch sein.

Crista und Jan-Uwe waren immer bei den Vorstellungsgesprächen dabei und erklärten die Situation mit dem Visum. Cristina hatte mal wieder Glück und geriet an eine Personalchefin, die sich für sie etwas weiter aus dem Fenster lehnte. Und so kam es, dass sie 24 h bevor sie hätte ausreisen müssen ihre Aufenthaltsgenehmigung erhalten hatte. Mit viel "Vitamin B" in politischen Kreisen, blieb ihr auch die Ausreise erspart. Selbstverständlich werden an dieser Stelle keine Namen genannt. Wir hoffen, dass unsere Leser keine politische Diskussion über dieses Thema eröffnen, es ist schließlich lange Zeit vergangen seit dem.

 

Mit 24 Jahren also begann Cristina ihre Ausbildung als Hotelfachfrau. Für sie keine einfache Zeit - sie wurde von den meisten ihrer Kollegen gemobbt. Es gab fast ausschließlich Frauen in diesem Hotel und "Zickenalarm" stand jeden Tag auf dem Programm. Cristina war immer gut gelaunt, schon morgens sang sie Lieder vor sich hin, sie machte ihren Job auffallend gut. Das brachte ihr viel Lob ein. Das Hotel hatte viele Stammgäste, die meistens für ein paar Tage länger blieben und jeder wollte sein Zimmer von Cristina gereinigt haben. So kam dann der Neid der Kolleginnen. Cristina war gertenschlank, obwohl sie gegessen hat wie ein hart arbeitender Bauarbeiter. Schon wieder ein Grund um neidisch zu sein. Aber sie brachte die Zeit hinter sich, fand sehr gute Freunde, die bis heute noch in ihrem Leben sind und bestand ihre Ausbildung sehr gut.

 

Noch heute sagt Cristina: die Zeit meiner Ausbildung war eine ganz schreckliche Zeit für sie. So viel Haß und Neid schwappte ihr entgegen. Aber sie ließ sich nicht davon unter kriegen.

 

Ganz furchtbar fand sie den Umgang mit Essen im Hotel. Zum Frühstück gab es - wie fast überall - Buffet. Und alles was mal auf dem Buffet stand, darf danach nicht mehr verwertet werden. Dies ist ein Gesetz in Deutschland und das Hotel hat sich selbstverständlich daran gehalten. Unvorstellbar für Cristina, welche Massen an Essen da jeden Tag im Müll landeten. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie man sich bei so etwas fühlt, wenn man selbst Hungersnot in seiner Kindheit erlebt hat und oft genug mit knurrendem Magen ins Bett geschickt wurde. Und jetzt musste sie so etwas mit ansehen! Sie hat manchmal geweint, wenn sie das gesehen hat.

 

Ausbildung geschafft und was nun?

Praia

Inzwischen war Cristina 27 Jahre alt und es kam das Gefühl der "Saudade" auf - die große Sehnsucht nach der Heimat. Also ging sie erstmal zurück auf die Kapverden in die Hauptstadt Praia.

 

Noch während sie in Deutschland war, gab es in Praia ein Projekt extra für junge Menschen: zu einem sehr günstigen Kredit wurden sehr günstig Wohnungen angeboten und so kaufte sie sich eine dieser Wohnungen - damals für 20.000 Euro.

 

In Praia blieb sie für ein 1 Jahr. Man wollte hier das duale Ausbildungssystem einführen, so wie man es aus Deutschland kennt. An diesem Projekt hat Cristina mit gearbeitet. Sie hat viele Übersetzungen gemacht, das Lernmaterial vorbereitet, über ihre Erfahrungen in Deutschland berichtet - sowohl von der praktischen, als auch von der theoretischen Ausbildung.  Sie sagt, es war ein sehr gutes Projekt und die Arbeit hat ihr sehr viel Spaß gemacht.

 

Mit der Zeit kam dann aber das Gefühl bei Cristina auf, doch wieder zurück zu wollen nach Deutschland. Sie wollte noch viel mehr lernen. Aber nun kam wieder das Problem des Visums.

Cristina hatte damals einen Freund in Deutschland, der sie auch besuchen kam in Praia. Um das neue Visum zu erhalten blieb ihr nur ein Weg: die Hochzeit mit ihrem Freund.

 

Nachdem sie ihr Visum dann bekommen hat ging es gemeinsam zurück nach Deutschland, wieder nach Hannover. Sie hatten das Angebot bekommen das Restaurant "Das Spätzlehaus" zu übernehmen und so machten sich die beiden selbstständig. Es war in keinem guten Zustand als sie es übernommen haben und es musste alles komplett renoviert werden. Aber es hat sich gelohnt: sie hatten sehr viele Aufträge für Veranstaltungen, zu Messezeiten standen die Menschen in langen Schlangen vor ihrem Restaurant.

 

Leider ging die Ehe der beiden nicht lange gut. Nach ca. 1,5 Jahren trennten sie sich. Das war zu der Zeit, als die Expo in Hannover startete. Durch ihre damals beste Freundin kam sie zu ihrem neuen Job im Expo-Kaffee von Mövenpick. Der perfekte Job für Sie, denn dafür wurden internationale Mitarbeiter gesucht, die auch mehrere Sprachen beherrschten. Nach der Expo-Zeit blieb sie dann bei Mövenpick, denn es hat ihr dort sehr gut gefallen. Nebenbei begann sie dann eine Weiterbildung als Betriebswirtin, die sie innerhalb von 2 Jahren absolvierte.

Nach der Weiterbildung arbeitete sie als Schichtleiterin bei Mövenpick bis sie dann 2010 von der Sehnsucht nach der Heimat wieder erfasst wurde und sie entschied sich für die Rückkehr nach Boa Vista.

Zurück in der Heimat

Zurück auf Boa Vista machte Cristina ihren Traum war: sie eröffnete ihr erstes eigenes Restaurant: das "Fon' Banana" in Povoação Velha.

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Gäste bei ihr einkehrten und schnell sprach sich bei Gästen, Tourenanbietern und Veranstaltern rum: hier gibt es das beste Zicklein (eine kapverdische Köstlichkeit) auf Boa Vista. Die vielen Tagesgäste wollten gerne mehr hier erleben und so entstand der legendäre kapverdische Abend, an welchem die Gäste verwöhnt wurden mit kulinarischen Köstlichkeiten und handgemachter, kapverdischer Live Musik. Einige von euch werden sich bestimmt noch daran erinnern, wenn wir bis nach Mitternacht gemeinsam dort saßen und tanzten und dann um Punkt 24 Uhr das Licht ausging. Damals gab es noch keine 24 Stunden Strom in Povoação Velha.

 

2013 dann wurde Cristina noch einmal schwanger und sie wollte für ihre Familie ein neues Heim gründen. Nach langem Suchen fand sie dann genau das Richtige: ein Häuschen in der Anlage "Vila de Chaves". Es war in keinem guten Zustand - Cristina musste viel neu- und umbauen. Aber am Ende stand sie da: die erste "Vila Cristina". Denn natürlich hatte sie zwei Zimmer direkt verplant, um Gästen eine wunderschöne Alternative zu den großen Resorts auf Boa Vista zu bieten.

 

Schnell sprach sich bei den anderen Hauseigentümern rum, dass sie ein besonderes Händchen für geschmackvolle Einrichtungen, aber auch für den Umgang mit ihren Gästen hat. Und so wurden ihr bald weitere Objekte zum Kauf bzw. Vermietung angeboten. Inzwischen hat Cristina bereits 9 Apartments und Studios in ihrem Portfolio und es werden sicherlich noch mehr hinzu kommen.

 

Anfang 2015 wurde ein Eigentümer/ eine Eigentümerin für die neu entstehende Beachbar am Praia de Chaves gesucht. Man wollte sie unbedingt dafür gewinnen, aber der Preis war viel zu hoch. Da sie irgendwann einfach mit dem Thema abschließen wollte, bot sie einen Preis, der weit unter der Forderung lag - sie dachte damit wäre sie raus. Aber weit gefehlt. Der Anruf kam direkt und es dauerte nicht lange und der Vertrag war unterzeichnet. Bis zur Eröffnung musste noch viel erledigt werden, aber am 27.6.2015 war es dann so weit: die Beachbar "Pérola d'Chaves" öffnete für ihre Gäste. Und den Rest dieser Erfolgsgeschichte kennen ja die meisten von euch.

 

Als Cristina 11 Jahre alt war kam sie das erste mal an den Praia de Chaves. Damals saß sie mit ihrer Schwester unter den 3 Palmen die dort heute noch stehen und träumte davon wie toll es wäre, wenn man genau an diesem Platz ein Restaurant hätte.  Manchmal werden Träume wahr.

 

Insgesamt hat Cristina übrigens 3 Kinder: die erstgeborene Tochter Sylvia kennen ja viele von euch, sie arbeitet bei Cristina in der Beachbar. Ihr Sohn Marvin (geboren 2001) ist in Deutschland aufgewachsen und nach Cristina's Rückkehr nach Boa Vista bei seinem Vater geblieben. Jetzt nach dem Abschluß seines Abiturs möchte er für ein Jahr nach Boa Vista kommen, bevor er dann mit seinem Studium loslegen wird. Und natürlich ist da noch der kleine Wirbelwind Ana - sie wird bestimmt noch für viel "Aufregung" in Cristina's Leben sorgen.

 

Ich finde, diese Geschichte sollte vielen Menschen Mut machen, ihr Glück zu versuchen, auch wenn sie keine gute Ausgangsposition haben. Cristina ist in sehr armen Verhältnissen aufgewachsen, sicher hätte sie sich nie träumen lassen, dass sie mal so eine erfolgreiche Geschäftsfrau wird. Ich ziehe meinen Hut davor. Als junge, unerfahrene Frau ging sie in ein fremdes Land um zu lernen. Und genau das hat sich auch getan und nun so viel erreicht in ihrem Leben.

 

Heute aber wollen wir besonders aus einem Grund gratulieren: Cristina wird heute 50 Jahre alt. Und wenn man der Sage glauben darf, dann hat sie noch mindestens weitere 50 Jahre vor sich. Dafür wünschen wir ihr alles Gute, viel Gesundheit und vor allem die Kraft und das Duchhaltevermögen, um diese unsägliche Situation hier auf Boa Vista, die uns im Moment alle quält, zu überstehen.

Happy Birthday liebe Cristina!

Cristina Brito, Kapverden, Boa Vista

Interview: Cristina und Andrea

Text: Andrea

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Kommentare: 2
  • #1

    Caro (Freitag, 24 Juli 2020 07:42)

    Wow.. was für eine tolle Geschichte. Ich hatte gänsehaut beim Lesen. Vor allem kenne ich die bar fon banana. Das essen dort, und jetzt in der beachbar sind einfach super lecker. Ich wünsche Christina alles alles gute zum Geburtstag und hoffe dass sie immer so ein herzlicher Mensch bleiben wird.

  • #2

    Marcus (Freitag, 24 Juli 2020 17:13)

    Ich gratuliere auch hier nochmals zum Geburtstag.
    Wäre dieses blöde Virus nicht in der Welt erschienen hätten wir heute Christinas Geburtstag auf der Inseln mit feiern können, wie auch meinen 50. vor einer Woche.
    Es ist eine schöne Geschichte von Christina, die wir ansatzweise so auch von ihren Zieheltern Christa und Jan-Uwe in Wunstorf schon gehört hatten.

    Wir werden wieder nach Boa Vista kommen und können dann zusammen nachträglich auf unseren 100. Geburtstag anstoßen. Bis dahin bleibt alle gesund.

    Lieben Gruß
    Marcus und Sandra

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