Feiertage auf Boa Vista

Religiöse und kulturelle Feste auf Boa Vista

In einem Land, in dem die Mehrheit der Einwohner katholisch ist, gibt es natürlich auch viele kulturelle Zusammenkünfte zu katholischen Festlichkeiten auf unserer Insel Boa Vista. Einige dieser Feste sind örtlich mit der katholischen Religion verbunden und fast jede vermischt das Religiöse mit dem Heidnischen.

Wir haben euch bereits berichtet über die Festlichkeiten zu Ehren der Santa Isabel am 4. Juli in Sal Rei. Aber es gibt über das ganze Jahr verteilt viele andere religiöse Feste in allen Dörfern der Insel. Über diese möchte wir euch heute etwas erzählen. Einige davon finden ihre Daseinsberechtigung vorwiegend durch lokale Geschichten der Einheimischen.

Rabil

Rabil ist die zweitgrößte Ortschaft Boa Vista's. Sie ist die ehemalige Hauptstadt und befindet sich direkt am Flughafen von Boa Vista. Hier finden wir die älteste Kirche der Insel - gebaut 1806 - und auch die Töpferschule - ehemalige Dachziegelfabrik.

 

Der Schutzpatron Rabil's ist der "Heilige Rochus" (São Roque), dessen Feierlichkeiten an seinem Todestag, dem 16. August stattfinden. Er ist der Schutzpatron der Hunde, der Invaliden, der zu Unrecht beschuldigten Menschen, der ledigen Junggesellen und noch einiger anderer.

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Kirche São Roque

Während der Feierlichkeiten finden auch nicht-religiöse Aktivitäten statt, wie z.B. Fußballturniere. Den Höhepunkt dieses Festes bilden die Messe und eine Prozession zu Ehren des  São Roque. In der Nacht wird auf auf dem Kirchenplatz viel getanzt und Live Musik gespielt.

 

Auch wenn der São Roque der Schutzpatron von Rabil ist, gibt es noch ein anderes Fest zu Ehren zweier  weiterer Heiligen: das "Heilige Kreuz" und "Pedrona". Wie immer bei diesen Feierlichkeiten, beginnen die Aktivitäten dazu bereits eine Woche vorher. An den letzten drei Tagen sieht der Veranstaltungskalender dann wie folgt aus:

 

2. Mai - Zum Klang traditioneller  Trommeln wird auf dem Kirchenplatz die Flagge gehisst - eine weiße Flagge mit einem roten Kreuz. Der Klang der Trommeln breitet sich über das ganz Dorf aus. Am Abend gibt es ein großes Volksessen, mit traditionellen kapverdischen Gerichten, die den ganzen Tag über in großen Töpfen über offenem Feuer gekocht werden. Es gibt Live Musik, eine Modenschau und es wird die ganze Nacht getanzt.

 

3. Mai - Messe und Prozession des Stechpalmenkreuzes, gefolgt von einem Volksmittagessen und einem kulturellen Nachmittag mit Eselrennen, Sackhüpfen und Cudji midje (Vorbereitung des Mais für die Catchupa) und einigen anderen Aktivitäten. Zum Abschluß des Tages gibt es einen kulturellen Abend mit Live Musik unter Beteiligung örtlicher Musiker und einer großen Feier in der Mehrzweckarena Libera.

 

4. Mai -  Zum Abschluß der Feierlichkeiten des Heiligen Kreuzes beginnen direkt die Festlichkeiten von Pedrona in der Morgendämmerung, mit einem Marsch mit Trommeln und Hörnern durch die Straßen von Rabil. Am Nachmittag versammeln sich die Menschen auf dem Platz des 4. Mai und zum Klang der Caldeira und Trommeln zieht die Parade der kleinen Schiffe - genannt Navizinho - durch der Straßen der Stadt.

Rabil, Boa Vista, Kapverden, Cabo Verde
Navizinho - traditionelle Boote - der Kommandant der Fregatte geht vorne weg
Rabil, Boa Vista, Kapverden, Cabo Verde
katholische Festivalsegler- die meisten bauen und dekorieren ihre Boote zu diesem Anlaß selbst

Estância de Baixo

Eine weitere kulturelle Zusammenkunft ist das Fest "Cruz de Nhô Lôl", das in der Ortschaft Estância de Baixo stattfindet. Das Fest zieht Menschen aus allen Ecken der Insel an und hat in seiner Entwicklung eine neue Dynamik in die Gesellschaft von Boa Vista gebracht in Form verschiedener Freizeit- und Kulturaktivitäten wie z.B. Fußballturniere, Kartenspiele, Oril, Trommeln, Vorträge, Live Musik, Theater u.s.w. Diese Aktivitäten bieten den Menschen Momente der Verbrüderung und Unterhaltung.

Die Ursprünge dieses Festes gehen auf den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück, am nördlichen Rand des Dorfes ganz in der Nähe zur Wüste "Deserto Viana". Dieser Teil war damals für die dort betriebene Landwirtschaft bekannt. Die Farmen gehörten einer Gruppe sehr religiöser Hausfrauen, die ihr Leben der Landwirtschaft gewidmet hatten. Erzählungen der Ältesten zufolge, waren die Ländereien damals sehr fruchtbar und brachten jedes Jahr eine sehr gute Ernte ein. Dies gab den Frauen einen Grund zum Feiern und so begannen sie, jedes Jahr nach dem Ende der Ernte ein Fest zu geben mit einem gemeinsamen Mittagessen für alle Einheimischen und Besucher.

Boa Vista, Kapverden, Cabo Verde
Deserto Viana

Nach dem großen Erfolg des ersten Festes dieser Art versprachen die zwei größten Viehzüchter des Dorfes im darauffolgenden Jahr Fleisch zum Fest beizusteuern. Später dann kamen immer mehr Aktivitäten zu dem Fest hinzu: Pferde- und Eselrennen, Ziegenkämpfe, traditionelle Trommeln und einige andere. Nach dem Tod der meisten Schlüsselfiguren zur Entstehung dieses Festes, wurden die Feierlichkeiten viele Jahre unterbrochen. Dann im 20. Jahrhundert wurden sie von den Einheimischen wieder aufgenommen  und der 28. Mai wurde als offizieller Tag für diese Feier festgelegt. Damals wurde auch beschlossen, ein Kreuz zur Markierung des Ortes, an dem diese Feierlichkeit entstanden ist, aufzustellen. Noch heute kann jeder, der die Wüste Viana besucht, das Kreuz dort stehen sehen.  

Povoação Velha

In Povoação Velha, dem ältesten Dorf der Insel, gibt es drei weitere katholisch-kulturelle Feste: am 8. Mai der "Heilige Rochus", am 13. Juni der "Heilige Antonius" und am 8. Dezember "Unsere Frau der unbefleckten Empfängnis".

 

Historiker und Schriftsteller Antonio Germano Lima, geboren auf Santo Antao, aber beide Eltern stammen von  Boa Vista, hat einige Bücher über unsere Insel geschrieben. In einem seiner Bücher geht es auch um die Legende des Heiligen Rochus:

Am Strand von Varandinha wurde von den Einheimischen eines Tages das Wrack eines französischen Schiffes entdeckt. Das Einzige, was man auf dem Wrack gefunden hat, war ein unversehrtes Bildnis des Heiligen Rochus. Es wurde von den Einheimischen in Gewahrsam genommen und nach  Povoação Velha gebracht. Von da an galt er als der Schutzpatron des Dorfes und das Dorf wurde zum Sitz der Pfarrei des Heiligen Rochus ernannt. Aber die Erzählung über den Heiligen endet an dieser Stelle nicht. Nach dem Bau der Mutterkirche des Heiligen Rochus auf Boa Vista in der Ortschaft Rabil, wurde das Bild an die Kirche in Rabil gegeben. Der Heilige geriet darüber in Zorn und "floh" zurück nach Povoação Velha um sich dort in der bescheidenen Kapelle zu verstecken. Nachdem man es entdeckte hatte, wurde es wieder zurück nach Rabil gebracht. Der Heilige beschließt erneut zu fliehen und versteckt sich hinter einem großen Felsen, etwa 500 m von Povoação Velha entfernt. Dieses Mal wurde er von einem Hund gefunden und wieder nach Rabil zurück gebracht. Der Heilige war so verärgert darüber, dass ihn die Menschen von Povoação Velha nicht beschützten, dass er von nun an in Rabil blieb, wo er bis heute noch zu finden ist. Bußfertig begannen nun die Einwohner des Dorfes den Felsen zu einem Ort der Verehrung des Heiligen Rochus herzurichten und ehrten den Heiligen nun jedes Jahr am 8. Mai mit einer Messe und einer Prozession die an der Kapelle begann, zum Felsen führte und wieder zurück zur Kapelle. Anschließend gab es ein großes gemeinsames Essen, ein Straßenfest und Tanz. Heute ist diese Tradition allerdings nicht mehr im Gebrauch.

Ein weiteres katholisches Fest ist zu Ehren des Heiligen Antonius am 13. Juni. Antonio Germano Lima zufolge, führen uns die Ursprünge dieses Festes in das 19. Jahrhundert zurück.

Die Erzählung geht zurück auf einen Bastard aus Sal Rei der beschloss, einige Lebensmittel und andere Güter in das Zentrum der Insel zu transportieren. Unter anderem hatte er ein Bildnis des Heiligen Antonius dabei. An einem Punkt auf dem Weg stoppte der Esel, der das Bild des Heiligen trug und wollte um nichts in der Welt an dem Berg (heute kennen wir ihn als den Santo Antonio) vorbei.

Povoacao Velha, Boa Vista, Kapverden
Santo Antonio

Die Mitreisenden taten alles, um den Esel in Bewegung zu setzen, aber sie hatten keine Chance. Dann hatten sie die Idee, das Bild des Heiligen vom Esel zu nehmen und prompt setzte er sich wieder munter in Bewegung. Da dies als ein Wunder galt, befahl der Bastard genau an dieser Stelle eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Antonius zu errichten. So kam es, dass mitten im Nirgendwo auf der Isnel diese Kapelle entstand. Dieser Ort wurde nun ein Ort der Verehrung des Heiligen Antonius.

 

Das Fest des  Heiligen Atonius ist eines der beliebtesten auf der Insel. Ganze Karawanen kommen vorwiegend aus den Ortschaften Povoação Velha, Rabil und Estância de Baixo. Neben der Messe und der Prozession wird der Heilige Antonius mit Pferde- und Eselrennen, Trommeln und Coladeiras, Musik und Tanz gefeiert. Es gibt reichlich Essen und die Pferde und Eselbesitzer führen kleine Kunststücke mit ihren Tieren vor, die sie extra für diesen Anlaß einstudiert haben.

 

Unsere Frau der unbefleckten Empfängnis ist die Schutzpatronin von Povoação Velha, zu Ehren der Mutter Gottes. Eine Kapelle ihr zu Ehren wurde 1828 gebaut. Nach dem Fest "Santa Isabel" in Sal Rei, war es das Fest, das die meisten Menschen anzog aus allen Dörfern der Insel. Für dieses Fest haben die Einheimischen von all ihren Gütern das Beste aufgespart: ihre besten Kleider, den besten "Capóde" (kastrierter junger Ziegenbock), das beste Schwein oder Huhn und auch die schönste Decke, die dann in den Fenstern lag, wenn die Prozession vorbei zog. Dieses Fest endete immer mit einer großen "Rebecada" (Rebec = Saiteninstrument), begleitet von traditionellen Instrumenten wie Gitarre, Violine oder Cavaquinho.

Bofareira

In Bofareira wird seit einigen Jahren (seit 2003) das Fest der "Frau des Friedens" am 3. August gefeiert. Die Bewohner sehnten sich danach, ebenfalls einen Heiligen in ihrer Gemeinde zu feiern, bei der sich Freunde und Familie, aber auch Menschen aus anderen Dörfern versammeln würden. Sie wollten allen Inselbewohnern ihr wahre Tradition, ihr großes Herz und ihre noch größere Gastfreundschaft zeigen. Die lokale Gastronomie ist hier sehr present und wird meistens von den hart arbeitenden Frauen der Gemeinschaft organisiert. In den letzten Jahren hat sich das Fest zu einem sehr erfolgreichen Event entwickelt. Sportliche Aktivitäten sind genauso wie kulturelle Veranstaltungen ein Teil der Feierlichkeiten. Der Dorfplatz wird für diesen Anlaß zu einer idealen Bühne für Tanz, Live Musik, zeitgenössische und traditionelle Paraden, sowie Turniere im Kartenspiel oder Ouril

João Galego

João Galego bildet zusammen mit den Dörfern Fundo das Figueiras und Cabeça dos Tarafes die Region der Insel, die im Volksmund als "Norte" bezeichnet wird.  Sie alle gehören zur katholischen Pfarrei des Heiligen Johannes der Baptist.

 

Das ruhige, kleine und freundliche Dorf João Galego ist ein Ort mit ca. 800 Einwohnern. Landwirtschaft und Viezucht sind die Haupteinnahmequellen der Familien. Die Menschen sind sehr freundlich und jeder ist hier herzlich willkommen. Die betriebene Landwirtschaft dient nicht nur der Selbstversorung, sondern auch der Versorgung der Insel. Die Landwirte fahren in die Stadt Sal Rei , um ihre Produkte hier auf dem städtischen Markt anzubieten, aber auch am Straßenrand, direkt vom Pickup aus oder auch von Tür zu Tür werden die Produkte verkauft. In den letzten Jahren ist das größte Problem die Wasserversorung des Ackerlandes. Viele Ländereien haben Brunnen, die zwar zumeist lange Zeit mit Erde gefüllt waren, aber die Einheimischen haben die Wege zurück zum Grundwasser gefunden. Wenn es jedoch lange Zeit nicht regenet, wie es die letzten Jahre auf Boa Vista der Fall war, dann trocknen diese Brunnen aus.

Auch die Viezucht ist hier ein wichtiger Betriebszweig, der hausgemachte Ziegenkäse aus den nördlichen Dörfern ist ein Markenzeichen Boa Vista's.

Ende Juni wird auf den Dörfern das Fest des Heiligen Johannes des Baptisten gefeiert, auch hier verbunden mit verschiedenen sportlichen und kulturellen Aktivitäten.

 

Das kleine, einst recht leblose Dorf, hat mit der Abhaltung einer Landwirtschafts- und Viehmesse in den letzten Jahren eine neue Attraktivität gewonnen. Da es eigentlich nichts gibt, was Touristen oder die Bewohner anderer Dörfer nach João Galego locken würde, wurde die Idee geboren diese Messe zu veranstalten. Die Messe ist eine Partnerschaft mit der Gemeinde der Insel und findet jeden ersten Sonntag im Monat statt. Auf der Messe werden frische, preisgünstige Produkte, Körbe, Strohhüte, Stickereien, Kunsthandwerk aus Ton und Lehm auf der Straße ausgestellt. Man kann auch mal auf einem Esel oder Pferd reiten.

Fundo das Figueiras

Fundo das Figueiras gehört ebenfalls zu den Ortschaften im Nordosten der Insel Boa Vista. Es besteht aus einigen Straßen die von wunderschönen Hibiskus oder Bougainville gesäumt sind. Sie dienen der Dekoration, aber auch als Schattenspender. Auch hier leben die Menschen von Vieh- und Landwirtschaft.  Die religiöse Verantwortung für die Feierlichkeiten zum Heiligen Johannes dem Baptisten liegt bei der Bevölkerung dieser Ortschaft. Hier befindet sich auch die Kirche des Schutzheiligen.  Neben den üblichen Aktivitäten zu diesen Festen, gibt es hier eine Abendmesse, eine Prozession, ein Pferderennen, ein sehr beliebtes Mittagessen, eine Versteigerung und Tanz.

Boa Vista, Kapverden
Fundo das Figueiras mit seinen wunderschönen Bougainvillebäumen

Das Fest an sich findet am 24. Juni statt. Aber die meisten Aktivitäten beginnen bereits einige Wochen vorher und erreichen dann mit den wichtigsten Veranstaltungen am 23. und 24. Juni ihren Höhepunkt. Den gesamten Juni über gibt es Fußball- und Kartenspielturniere. Das große Finale der Turniere ist dann am Vorabend, also am 23. Juni.

 

Wir hoffen euch mit diesem Beitrag unsere Insel Boa Vista wieder ein bisschen näher gebracht zu haben.

 

Story: Misael

Text: Andrea

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