Feiertage in Sal Rei

Die wichtigsten Feiertage in Sal Rei - Boa Vista

Anfang Juli ist immer eine ganz besondere Zeit auf Boa Vista: der Sommer ist da, die Schulferien beginnen und viele Emigranten kommen ins Land um Familie und Freunde zu besuchen.

Santa Isabel - 4. Juli

Am 4. Juli feiert Boa Vista sein wichtigstes katholisches Fest des Jahres: Santa Isabel (Heilige Isabel) in der Hauptstadt Sal Rei. Dieses Fest der größte Höhepunkt der traditionellen katholischen Feste und ist eine authentische, religiöse und soziokulturelle Zusammenkunft der Bewohner.

Die Geschichte

Santa Isabel ist eine portugiesische katholische Heilige, die durch das "Rosenwunder" bekannt wurde. Als Königin von Portugal war sie stets um Frieden bemüht und half den armen Menschen.

Die Legende besagt, dass sie eines Tages im Januar in ihrem Korb Brot für die Armen trug, als ihr Ehemann der König sie unerwartet abfing. Er fragte sie, was sie in ihrem Korb tragen würde. Sie wusste, dass das Verteilen von Brot an die Untergebenen als höchste Art des Verrats angesehen wurde und so antwortete sie: Rosen. Noch bevor sie es ausgesprochen hatte, hatte sich das Brot tatsächlich in Rosen verwandelt.

 

Auf Boa Vista ist Santa Isabel die Schutzpatronin der Stadt Sal Rei. Zu Ehren der Heiligen wurde eine kleine Kapelle in Sal Rei erbaut, die dann 1857 durch die heutige Kirche Santa Isabel ersetzt wurde.

Die Feierlichkeiten

Normalerweise beginnen die Feierlichkeiten mindestens eine Woche vor dem 4. Juli.

Es gibt viele kulturelle, sportliche und religiöse Aktivitäten.

Fußball-, Volleyball-, Kartenspiel-, Oril- (eine Art Mancala-Brettspiel)Tourniere, Wassersport, Schwimmwettbewerbe und andere Sportturniere. Sie alle finden ihren Höhepunkt bei Veranstaltungen am 3. und 4. Juli.

 

Es werden viele kulturelle Veranstaltungen wie Tocatinas (kleine Musikkonzerte mit 1 bis 3 Musikern) an verschiedenen Orten während der Woche abgehalten.  Sie finden ihren Höhepunkt in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli mit einem großen Musikfestival im Zentrum Sal Rei's, wo viele berühmte kapverdische Musiker, aber auch internationale und kleine lokale Bands auftreten.

 

Große Highlights sind auch die am 3. und 4. Juli stattfindenen Pferde- und Eselrennen.  Gerade die Eselrennen gestalten sich öfters recht lustig, denn manche Esel wirken, als hätten sie die Party mit etwas Grog genossen, da sie im Rennen oft ein wenig verloren wirken. Auf jeden Fall ist es für alle Zuschauer sehr lustig und unterhaltsam.

 

Der erste Höhepunkt am 4. Juli ist dann die heilige Messe, die auf der Straße vor der Kirche abgehalten wird. In der Kirche gibt es einfach nicht genügend Platz für alle Menschen, denn sie kommen von der ganzen Insel zusammen.

 

Nach der Messe gibt es dann eine Prozession durch die Stadt, allen voran mit einer Statue der Heiligen Isabel. Es werden Gebete gesprochen, die Stadt wird mit Weihwasser besprenkelt. Der Heiligen wird  gedankt, dass sie die Menschen das ganze Jahr beschützt hat  und man bittet um die Erfüllung einiger Wünsche in der Zukunft.

 

Anschließend pilgern die Menschen zum alten Fischersteg. Hier gibt es eine Segelregatta der einheimischen Fischerboote. Sie sind zum Teil schön dekoriert für den Anlaß. Natürlich bitten auch die Fischer an diesem Tag die Heilige um Schutz bei ihren Ausfahrten im kommenden Jahr.

 

Jeder Mensch wird auf den Feierlichkeiten willkommen geheißen, egal ob man bekannt ist oder nicht, egal woran man glaubt, egal welche Nationalität oder Hautfarbe man trägt.

 

Die katholischen Feste sind heute lange nicht mehr so glamourös wie früher einmal. Viele sagen, dass die Traditionen ihre Wurzeln und Authentizität verlieren. Sie scheinen inzwischen mehr heidnisch, als religiös. Die Vermischung von Relegion und Heidentum, die bei solchen Festen entsteht, entspricht eben genau dem, was die Kapverdianer halt sind: eine Mischung.

Kapverden, Boa Vista, Santa Isabel, Boa Vista Tours
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Aufgrund der euch allen bekannten Situation gab es in diesem Jahr leider keine Feierlichkeiten zu diesem wichtigen Feiertag. Lediglich die Messe am 4. Juli wurde abgehalten. Fast alle Menschen, auch die katholischen Väter, trugen Masken. Die Menschen hatten sich großzügig verteilt auf der Straße und dem anschließenden großen Spielplatz, so dass auch "social distance" eingehalten wurde. Am Ende der Messe lud der Priester zwei junge Musiker ein auf die Bühne zu kommen, um eine Morna zur Ehrung der Heiligen zu singen, weil sie ihr Volk in dieser außergewöhnlichen Situation beschützt hat. Dies hat hat es in der Geschichte dieses Feiertags noch nie gegeben.

 

Normalerweise gehen die Feierlichkeiten bis in den nächsten Tag mit vielen Essens- und Getränkeständen auf der Straße und viel Musik. Am 5. Juli dann ist es morgens noch recht ruhig auf den Straßen, viele haben einen großen Kater (hier heißt das "Rasaca"), den sie erstmal auskurieren müssen. Aber am Nachmittag geht es dann weiter mit den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit der Kapverden von Portugal.

Unabhängigkeitstag der Kapverden - 5. Juli

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Über fünf Jahrhunderte lang waren die kapverdischen Inseln eine portugiesische Kolonie. Am 5. Juli 1975 - also vor 45 Jahren - wurde der Unabhängigkeitsvertrag zwischen Portugal und den Kapverden unterzeichnet.

Der Unabhängigkeitskampf war ein Zusammenschluß von Portugiesisch-Guinea (heute Guinea Bissau) und den Kapverden. Einen blutigen Krieg gab es auf den Kapverden jedoch nicht. Es waren aber kapverdische Freiheitskämpfer am Krieg auf dem Territorium von Guinea Bissau beteiligt.


Nicht für alle eine Gute Zeit

Nach der Erklärung der Unabhängigkeit flohen viele auf den Kapverden lebende Portugiesen von den Inseln. Aufgrund vieler rassistischer Äußerungen - sie wurden oft als "Catchor de doies pé" (gemeiner Hund auf zwei Beinen) bezeichnet - fürchteten sie um ihr leben. Sie ließen Häuser, Autos, Grund und Boden - quasi alles was sie besaßen - für eine ungewisse Zukunft zurück. Auch Kapverdianer, die gegen das einzig vorhandene Parteiregime waren, verbannten sich selbst nach Portugal um einer Anklage, einem Prozess, Gefängnis und Folter zu entgehen.

 

Aus den ersten Wahlen ging Pedro Pires als Premierminister hervor; Aristides Pereira (ein auf Boa Vista geborener Kapverdianer) wurde zum ersten Präsidenten der Kapverden gewählt.

Die neue Regierung versprach ein demokratisches Regime einzuführen, gegen Ende der 70er Jahre nahm die Unterdückung der Partei-Gegner jedoch immer mehr zu. Bis zum Fall des Kommunismus zwischen 1989 und 1991 blieben die Kapverden ein sozialistischer Staat.

 

Im Vergleich mit anderen Ländern des Sozialistischen Blogs war die Bilanz bei der Achtung der Meschenrechte auf den Kapverden deutlich besser. Es gab mehr Beteiligung der Bürger an der Regierung aufgrund lokaler Aussschüße. Aber die fehlende Meinungsfreiheit, die Zensur und die Anwesenheit von "Bufos" (Anhänger des Einparteienregimes, die als Spitzel aktiv waren) war trotzdem im täglichen Leben präsent.

 

Während der 15 Jahre Herrschaft des Einparteienregimes wurden viele Menschen, die gegen das Regime sprachen, verfolgt, inhaftiert und gefoltert, auch wenn es keine Beweise gegen sie gab.

Die bekannteste Folter war der Elektroschock - einige der Menschen, die es überlebten konnten lebenslänglich nicht mehr laufen.

 

Die Kapverden und Guinea Bissau waren zwei getrennte Länder, wurden aber von der gleichen marxistisch orientierten Partei - PAIGC - regiert. Die Kapverden wollten sich politisch mit Guinea Bissau vereinigen. Dieser Plan scheiterte jedoch mit einem Militärputsch 1980, bei dem der Präsident der PAIGC Almeida Cabral (Bruder von Amilcar Cabral) gestürzt wurde. Der kapverdische Flügel der Partei brach mit dem von Guinea Bissau und wurde in die "Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit der Kapverden" (PAICV) umbenannt. Die diplomatischen Beziehungen mit Guinea Bissau wurden abgebrochen und erst zwei Jahre später wieder aufgenommen.

 

Mit dem Sturz des Kommunismus zwang der internationale Druck das kapverdische Regime freie Mehr-Parteien-Wahlen auszurufen. Im Februar 1990 wurden dann bei einem außerodentlichen Kongreß die Verfassungsänderungen erörtert, um das Einparteinsystem abzuschaffen.

Im Apil 1990 schlossen sich dann verschiedene Oppositionsgruppen zur Bewegung für Demokratie (MPD) zusammen. Bei den ersten freien Wahlen kandidierte Pereira wiederum als Präsident, die PAICV wurde jedoch mit 73% geschlagen.

 

1992 wurde dann die Mehr-Parteien-Verfassung erlassen. Die Flagge und auch die National-Hymne änderten sich (zuvor war es die gleiche wie Guinea Bissau) - die Kapverden wurden eine Demokratie und das sozialistische Regime endgültig beendet.

 

Der Unabhängigkeitstag sorgt bei vielen für gute Erinnerungen, aber aus der Geschichte heraus bei vielen auch für schlechte Erinnerungen.

 

Hier gibt es noch ein sehr schön gemachtes Video über Amilcar Cabral

 

Natürlich könnte man viel mehr schreiben über die letzten 45 Jahre kapverdischer Geschichte. Aber wir wollten es möglichst kurzweilig halten, damit ihr euch nicht weg klickt :-)

Feierlichkeiten

Zum 5. Juli gibt es einige politische, offizielle Veranstaltungen im Land, wie z.B. eine Kranzniederlegung am Grabstein von Amilcar Cabral und die Ansprache des Präsidenten an die Nation.

Für die meisten Menschen aber ist es einfach ein fauler Tag: man geht mit Freunden und Familie zum Picknick und genießt einen Tag frei von Arbeit.

Die Festlichkeiten zum 45. Jahrestag wurden auf einem Video festgehalten, dass ihr euch unter diesem Link anschauen könnt (Dauer ca. 4 Stunden).

 

Wir hoffen ihr hattet wieder Spaß beim Lesen. Freut euch schon mal auf unseren nächsten Artikel - da geht es um ein komplett anderes Thema.

 

Story: Misael

Text: Andrea

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Andrea & Frank Hennicke - Sal Rei - Ilha da Boa Vista - Cabo Verde