Eine Liebesgeschichte

Eine Liebesgeschichte

Boa Vista - Deutschland: eine Liebe über 4.741,92 km

Ganze 4.741,92 km (Luftlinie Quelle: Google) trennen mich von meinem Liebsten, der auf Boa Vista lebt. Wie fühlt sich das an, wenn man sich nicht einfach mal so sehen kann? Ob Corona alles es noch komplizierter macht? Kann eine Liebe auf Distanz Bestand haben? Aber lest gerne meine Geschichte dazu, viel Freude damit!

 

FERNBEZIEHUNG – ÜBER 4.741,92 km, GEHT DAS?

Samstagmorgen, den 08.02.20, 06:00Uhr. Nicht nur dieses Mal, sondern auch bei all den anderen Malen in der Vergangenheit, kommt er schleichend auf mich zu. Er lauert schon an der Ecke, wenn ich aufwache. Schaut böse zu mir rüber, schleicht mir um die Beine und hängt mir im Genick während ich die letzten Dinge in meinen Koffer packe. Und als ich mich hinsetzen will, um mir eine Zigarette anzuzünden, setzt er sich dick und fett neben mich und schaut mir ins Gesicht:

DER ABSCHIEDSSCHMERZ

 

Besonders schlimm ist der Abschied an diesem besagten Samstagmorgen für mich. Mein Freund muss arbeiten und so fahre ich nach zwei Monaten auf Boa Vista, alleine an den Flughafen, um zurück nach Deutschland zu fliegen. Ein Blick auf mein Handy zeigt mir, dass ich in ca. 9 Stunden in Deutschland landen werde. Dieses Mal habe ich es bis zum letzten Tag herausgezogen, um wieder deutschen Boden unter meinen Füßen zu haben: ohne Flip-Flops, ohne Sand zwischen meinen Zehen, sondern mit Schuhen und Winterjacke.

 

"hier ist es nicht so warm und in München hat es sogar geschneit"

lese ich in der Whats App, die mir meine beste Freundin geschickt hatte. Und dann kommt er wieder dieser verdammte Schmerz, der durch meinen ganzen Körper geht, als ich mich in den Flieger setze. Jetzt gibt es kein Zurück mehr, erstmal nicht - aber bald werde ich wieder kommen - so schnell es geht, sagen wir immer - doch dann kam Corona.

 

Aber von vorne: Mein Freund und ich führen seit über 3 Jahren eine Fernbeziehung. Damit meine ich jetzt nicht die Distanz von München nach Nürnberg und dass wir 2 Stunden Zug fahren müssen, um uns zu sehen. Nein, zwischen meiner Wohnung in München und seiner auf Boa Vista liegen ziemlich genau, 1 bis 2 Flüge und ca. 6 bis 10 Stunden Reise, egal welche Airline man nimmt, beide haben drei Buchstaben und beginnen mit dem Buchstaben "T"

Caretta Caretta, Boa Vista, Kapverden

Gesehen haben wir uns das erste Mal auf dem Weg zu einer Turtle Tour, bei der ich durch Zufall noch einen Platz ergattern konnte, denn die Saison näherte sich dem Ende.

Schnell merkte ich, dass ich doch den Empfehlungen anderer Gäste hätte folgen sollen, denn so saß ich in einem geschlossenen, blauen Jeep und ärgerte mich, dass einer der Guides auf der Rückbank eines anderen Jeeps saß und genüsslich an einer Zigarette zog. Verdammt dachte ich mir, wie gerne würde ich da jetzt sitzen und nicht nur um eine Zigarette zu rauchen. Immer wieder lächelte ich ihn durch die Scheibe des Jeeps an und er lächelte freundlich zurück ... mein Mr. Right.

 

Ich hatte die Hoffnung, dass er „mein“ Guide sei für diese Tour, doch meine Hoffnung war vergebens, als nach dem Aussteigen alle Teilnehmer in Gruppen eingeteilt wurden und vor mir auf einmal eine Frau stand und mich und meine Gruppe geordnet und hintereinander durch den Sand marschieren lies.

 

Als wir nach einer längeren Strecke eine Schildkröte gefunden hatten, habe ich alles um mich herum vergessen, wie die Caretta Caretta die ihre Eier legte, war auch ich in einem Trancezustand.

Nicht nur wegen diesem grandiosen Naturereignis, welches ich nur jedem Boa Vista Urlauber ans Herz legen kann, sondern sein Lächeln, welches mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte.

 

Nach einiger Zeit gingen wir wieder zu den Jeeps zurück und ich hoffte ihn nochmals zu sehen. Doch leider war er weit und breit und in der Dunkelheit für mich nicht mehr sichtbar. Ungefähr so als wolle man versuchen einen Wal im Monat November auf Boa Vista sichten. Nichts aber auch gar nichts war zu sehen.


Und so fuhr ich wieder ins Hotel zurück, das mir persönlich viel zu groß war und eigentlich gar nicht zu mir passte, da ich normalerweise keine All In Urlaube buche. Und so saß ich auf dem Balkon meines Hotelzimmers und dachte mir, beim nächsten Mal, wenn du nach Boa Vista fliegst, machst du alles anders.

 

Ich erinnerte mich an die nette Dame aus der Strandbar, die ich ein paar Tage zuvor, durch einen Strandspaziergang dorthin, kennenlernen durfte. Sie erzählte mir, sie habe Apartments, ein paar Minuten zu Fuß von der Beachbar entfernt, direkt am Strand und mit viel Ruhe. Mit diesem Wissen überlegte ich nicht lange und es stand fest, dass ich noch im selben Jahr einen weiteren Urlaub buchen würde. Einfach anders als beim ersten Mal und insgeheim mit der Hoffnung ihn und sein Lächeln vielleicht wieder zu sehen.

 

Im Dezember desselben Jahres stand ich also wieder am Aeroporta Internacional Aristides Pereira und folgte diesmal nicht den blau gekleideten Herrschaften, sondern mich erwartete ein junger Mann, welcher ein Blatt Papier in der Hand hielt, auf dem mein Name stand. Sie denken bestimmt nun alle: Was ein Zufall da stand er, ihr Mr. Right…aber nein ich muss Sie alle enttäuschen, es war der Fahrer der Unterkunft.

 

Da mein Portugiesisch bzw. mein Kriol zu diesem Zeitpunkt sehr schlecht war, versuchte ich mit Händen und Füßen meine Telefonkarte in dem kleinen Shop am Flughafen zu aktivieren. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung wie das funktioniert und war total lost…doch es kam wie es kommen musste und Nein das ist kein Märchen, sondern es war und ist noch immer Realität – auf einmal stand er da mein Mr. Right und fragte höflich auf Deutsch, damals noch im Thomas Cook Outfit, ob ich Hilfe brauche.

Schnell kamen wir ins Gespräch und weil er sich heimlich meine Handynummer notierte, kam es auch zu einem Treffen auf ein kaltes Strela.

Wir redeten viel und er erzählte mir viel über die Insel und schon bald kam es auch zu einem Kuss. Ich fühlte mich wie auf Wolke 7 und sein Lächeln fesselte mich, so wie zuvor schon und ich fühlte mich nach kurzer Zeit so, als würden wir uns schon ewig kennen.

 

Meine beste Freundin schrieb mir nach 8 Tagen eine WhatsApp:

"Hey wie geht's? Wie ist der Urlaub? Du meldest Dich gar nicht ... alles gut?"


ich zögerte nicht lange mit meiner Antwort:

"Alles super hier im Paradies und .... ICH HABE MICH VERLIEBT"

 

dann dauerte es etwas mit ihrer Antwort:

"Du spinnst, Du weißt schon wie viele Kilometer euch dann trennen? Tausende .... das kann doch nicht funktionieren"

 

Ich

"Und wenn es Tausende von Kilometern sind ... mir egal .... ich weiß er ist der Richtige"

 

Dann kam nichts mehr von meiner besten Freundin, aber für mich und ihn stand fest, dass wir die Liebe auf Distanz ausprobieren wollen.

 

Zugegebenermaßen erleichtert mein Job die Sache jedoch nicht. Ich arbeite in der Medienbranche, da wird so ein geplanter Urlaub auch mal schnell verschoben, da ja ein wichtiges Projekt ansteht und so können wir uns, zwar regelmäßig sehen, aber nie mehr als drei Wochen am Stück und das ganze zwei bis drei Mal im Jahr.

Und ein Urlaubsvisum für meinen Freund zu bekommen, ist so groß wie die Chance für einen 6er im Lotto.

 

Also kündigte ich letztes Jahr kurzerhand meinen Job, suchte mir eine neue Arbeitsstelle und nutzte die Zeit dazwischen um zu meinem Liebsten nach Boa Vista zu fliegen. Ich bekam die Gelegenheit in der Zeit dort zu arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Ein bisschen mehr wie zwei Monate lebten und arbeiteten wir also nun zusammen und ich wusste, bei diesem Abschied wird es schwerer als sonst. Und es war auch so. Dennoch verabschiedeten wir uns, wie wir es auch immer am Telefon machen, mit unserem obligatorischen: "bis später Schatzi" … das hilft und man bekommt nicht das Gefühl jetzt dauert es wieder ewig, bis man sich wiedersieht und es tut nicht so weh, auch wenn es natürlich trotzdem schmerzt.

 

In der Zeit, in der wir nicht zusammen sind, weiß ich dennoch meine Unabhängigkeit und Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung zu schätzen. Ich liebe meinen Job und muss doch kein schlechtes Gewissen haben, die meiste Zeit nicht pünktlich zuhause zu sein. Doch wie gerne würde ich auch in das neue Restaurant mit ihm gehen wollen, hätte nichts dagegen, wenn die Pasta nach Feierabend schon auf dem Tisch stehen würde.

 

Ja, auch streiten lässt es sich face to face so viel einfacher als face time am Handy. Missverständnisse wären schneller aus dem Weg geräumt und die Hoffnungslosigkeit wäre mit einer festen Umarmung abgetan.

 

Wie soll es weiter gehen?

Diese Frage stellen nicht nur wir uns, sondern derzeit wahrscheinlich alle.

Denn seit einigen Wochen, mittlerweile sind es schon Monate, beschäftigt uns Corona, dieses Virus das die ganze Welt auf den Kopf gestellt hat und irgendwie auch unsere Beziehung.

 

Das Lächeln welches ich jeden Tag von meinem Mr. Right kenne, ist nicht mehr dasselbe.

Er ist nachdenklich und unsere Gespräche nicht mehr so lustig, sondern eher ernst.

Man wünschte man könnte sich auf die andere Seite der Welt beamen - aber es geht nicht.

 

Dennoch versuchen wir das Beste aus der Situation zu machen. Ermutigen uns gegenseitig und meistern sogar zusammen - aber trotzdem an unterschiedlichen Orten - die Nominierungen zur "Trinkchallenge", die der eine oder andere vielleicht selbst schon gemacht hat.

 

Wir trösten uns gegenseitig, auch wenn mal Tränen fließen.

Aber wir geben unsere Hoffnung nicht auf. Die Hoffnung, dass Boa Vista keine positiven Fälle mehr vermerkt und die Hoffnung uns bald wieder in die Arme zu schließen.

 

Eine Fernbeziehung ist meist nur dann auszuhalten, wenn man ein Ziel vor Augen hat, auf das beide hinarbeiten und sich freuen können und das haben wir - trotz Corona.

 

Und dann schickt er mir eins seiner albernen Selfies mit seinem unglaublichen Lächeln, die mich zum Lachen bringen, egal wie weit er weg ist. Und ich habe das Gefühl, das Richtige zu tun. Wir werden weiterhin so tapfer sein und nie die Hoffnung verlieren.

 

Und zum Schluss noch eine Sache:

BOA VISTA - auf Deutsch „schöne Aussicht“ – liebe Insel ich wünsche dir, dass es wegen Corona bald eine schöne und gute Aussicht gibt, für dich und deine Mitbewohner, für die, die dort ihre zweite Heimat gefunden haben und ich die Liebe meines Lebens.

 

Autor: geheim

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Kommentare: 7
  • #1

    Roswitha (Mittwoch, 03 Juni 2020 12:23)

    Oh hast du das toll geschrien. Ich drücke euch beiden ganz fest die Daumen, dass ihr euch bald wieder in die Arme nehmen könnt und alle gesund bleiben auf der schöne. Insel ���‍♀️��✊�

  • #2

    Gaby (Mittwoch, 03 Juni 2020 12:56)

    Alles Glück der Welt.� Ich liebe diese Insel...ich wünsche allen das wir unser aller Leben irgendwann zurück bekommen. Bleibt stark. Wenn die Liebe groß ist, schafft ihr das. Alles liebe euch❤❤❤

  • #3

    Caro (Mittwoch, 03 Juni 2020 13:03)

    Oh das ist ja eine wunderschöne Geschichte �� so schön geschrieb. Ich drücke den beiden alle Daumen, dass sie sich schnell wieder wegen können.

  • #4

    Marion (Mittwoch, 03 Juni 2020 14:01)

    Ich wünsche Euch alles Glück der Welt

  • #5

    Flo (Mittwoch, 03 Juni 2020 17:07)

    Mensch, Mensch... traurige und gleichzeitig schöne Geschichte. Hoffnung und Zuversicht. Beides wichtige Botschaften in diesem Jahr... Daumen hoch und Daumen gedrückt für die Liebe und Boa Vista... ��

  • #6

    Melanie (Freitag, 05 Juni 2020 13:53)

    Soooo schön geschrieben
    Ich habe zwar nicht meine Liebe dort gefunden aber einen Ort wo ich mich immer wohl fühle ❤️

  • #7

    Tina (Mittwoch, 01 Juli 2020 12:39)

    Absolut Herz zerreißend..... Ich wünsche Euch alles Glück der Welt und ganz viel Kraft diese schwere Zeit gut zu überstehen. Ich fühle mit Euch, da meine Geschichte, eurer sehr ähnlich ist......

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